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Kandinsky short-Version Leseprobe
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4.
Szene
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Cafe "Kandinsky". Renate am Tisch, rauchend. Ein Mann im Alfa-Romeo-Kittel, Werner, erscheint.
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| Ren.: | Werner! Wie schön! man küsst sich innig |
| Wern.: | Hallo. Ja, du rauchst und - was ist das? - Whisky - trinkst Whisky. Unglaublich. Renate! alles etwas schalkhaft |
| Ren.: | Whisky-road! Jaaah! Ist sogar schon die zweite. |
| Wern.: | Unglaublich! Was machst du? Meine Güte! Kellner erscheint. |
| Kelln.: | Hallo. Darf´s was sein? |
| Wern.: | Um Gottes Willen, nein! Danke! Ich muss gleich weiter. Ja - |
| Kelln.: | Okay. Sonst alles gut? |
| Wern.: | Jaaah. Kellner ab |
| Ren.: | Dieser blöde Arsch. Ich frag ihn, ob´s für die zweite Whisky-road Rabatt gibt, und weißt du, was er antwortet? "Nein". Hätte er doch mal geben können, ne, oder? |
| Wern.: | Ja, hätte er geben können. |
| Ren.: | Naja, ist ja auch egal. Ist dir ja bestimmt auch sowas von egal, ne. Was red ich. |
| Wern.: | Das ist mir überhaupt nicht sowas von egal. Was redest du? Ich nehme nur an, du musst irgendwas haben, wenn du hier so - ich meine, du wolltest doch zum Sommerschlussverkauf, danach wolltest du doch gleich nach Hause. |
| Ren.: | War ich ja auch! Ich hab ja auch eingekauft! Die Scheiß-Vierdingszeitenbettdecken, Unterwäsche, Socken, alles okay, Werner! Dann taten mir einfach die Füße weh. Verstehst du das? |
| Wern.: | Klar, wenn man stundenlang unterwegs ist. Logisch. |
| Ren.: | Najaaa!
Und dann setz ich mich hierher, ärgere mich erstmal schonmal wieder, weil man hier wieder gleich bezahlen muss, ne, und dann plötzlich geht das alles so und so und so - mein Gott! |
| Wern.: | Naja, wies manchmal so eben ist. Was war denn los? Wegen der Whisky-road? |
| Ren.: | Ach! Das kam ja erst viel später. Nein, wegen Dieter! Dass der in Berlin auf der Straße lebt und so! Ich war total fertig! |
| Wern.: | Hm? Dieter? |
| Ren.: | Ja, Dieter. Der aus Berlin war und einfach weg ist, weißt du doch! Mit dem ich zusammen war! Vor dir! Hab ich dir doch erzählt! |
| Wern.: | Ach der. Achso. Der lebt in Berlin auf der Straße? Ja. Und? |
| Ren.: | Na, das kann dir ja wohl egal sein. Ist dir wahrscheinlich auch egal. Aber mir ist es nicht egal. Auch wenn er dann - na, was red ich, ich mochte ihn eben mal. Ich weiß nicht. Vielleicht hab ich ihn sogar mal geliebt - und jetzt lebt er auf der Straße! Ich bin immer noch total geschockt! |
| Wern.: | Das ist doch auch durchaus verständlich. Wenn er jetzt in Berlin auf der Straße lebt. Unglaublich! |
| Ren.: | Naja, meinst du? Ich weiß nicht. Ist doch auch ein bisschen relativ, oder? |
| Wern.: | Relativ? Ich bitte dich! Das ist doch ganz furchtbar! Ich mein, da bin ja selbst ich geschockt! |
| Ren.: | Aber echt. |
| Wern.: | Du warst halt mit ihm zusammen, hast ihn vielleicht sogar mal geliebt, plötzlich taucht er auf, völlig - naja, eben auf der Straße! Das ist doch unglaublich! |
| Ren.: | Er selber ist ja nicht aufgetaucht! Würdest du hier auftauchen, obdachlos und völlig heruntergekommen? In Lübeck? Wenn du an seiner Stelle wärst? |
| Wern.: | Nö, wahrscheinlich auch nicht. Klar. Mehr kann hier aus ihm auch nicht werden. Ach, er kam gar nicht selber? |
| Ren.: | Nein! Der reine Zufall! Der Berliner tauchte doch hier auf! Ich saß hier, weil meine Beine dermaßen brannten, ich konnte nicht mehr, da taucht er auf - det Plätzchen hier noch frei? - sein Auto musste zu euch in die Werkstatt, müsstest du doch wissen. |
| Wern.: | Ach, der. Ja . Der ist fertig. Mach ich gerade Probefahrt mit. Da hinten der. |
| Ren.: | Da hat dir die blöde Beatrix also doch gesagt, dass ich hier sitze! Ich glaub´s nicht! |
| Wern.: | Logisch. |
| Ren.: | Ja, toll. Ja, der hat mir das erzählt. Zufällig kannte er ihn. Ich konnt´es überhaupt erst nicht glauben! Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte! |
| Wern.: | Ja. Das ist ja unglaublich, dass der ihn kannte! Wie das?! |
| Ren.: | Vielleicht, weil er auch aus Berlin ist? Ich hab ihm jedenfalls ein Foto gezeigt, und er kannte ihn. So. Und jetzt ist er unterwegs zu dir in die Werkstatt, sein Auto abholen und dann los. Der war echt nett. |
| Wern.: | Da hätte er eigentlich hier warten können. Ich hätte ihn mitnehmen können. |
| Ren.: | Jaaah! Da hab ich überhaupt nicht dran gedacht! Sowas Blödes! Ich bin so blööd! Der Arme. Muss die Taschen jetzt durch die halbe Stadt schleppen wegen mir. Ich bin so blöd! |
| Wern.: | Aaach, halb so schlimm. |
| Ren.: | Halb so schlimm? Na, schönen Dank auch. Werner, der ganze Kram, den ich eingekauft hatte, den schleppt er jetzt in die Werkstatt. Entschuldige, ich glaub, das hatte ich dir noch nicht gesagt: ich hab ihm das jetzt alles mitgegeben für Dieter. Das musste sein. Ja, du, ich weiß schon, aber das ist mir jetzt auch egal. |
| Wern.: | Du hast eben ein weiches Herz. |
| Ren.: | Ja, hab ich. Wird mir auch immer wieder zum Verhängnis. |
| Wern.: | Du bist eben ein sanftes, zartbesaitetes Wesen. Ja. Ich müsste wahrscheinlich jetzt los. |
| Ren.: | Ja! Und wenn ich dir sage, was ich noch gemacht habe, wirst du wahrscheinlich ausflippen! |
| Wern.: |
Meine Güte, Renate! Ja. Wieso? Was noch? |